(André Englert) Elternzeitreise 19.05.21 - 18.07.21

Beitrag vom 13.12.2021 10:33 in Team 2021 , Teamnews

Anfang des Jahres war man noch ein wenig optimistisch was die Planung für Veranstaltungen angeht, "das ist ja alles noch lange hin". Das man mit dieser Einschätzung weit fehlt, hätte zu dem Zeitpunkt noch keiner mit gerechnet!

Aufgrund der Geburt unserer Tochter Clea im letzten Jahr hatte ich dieses Jahr 8Wochen Elternzeit geplant. 8Wochen als Familie unterwegs mit unserem Wohnmobil, Radfahren, dort bleiben wo es uns einfach nur gefällt!

Im Herbst haben wir mal vorsichtig mit der Planung angefangen, es sollte grob die Richtung Frankreich/Spanien /Portugal werden. Bis kurz vor knapp haben wir gezögert aber wir wagen es und fahren ins Ausland!

Auf direktem Weg ging es nach Spanien, eine Zwischenübernachtung an der deutsch-französischen Grenze in Hügelheim am Rhein und in St. Paul in Frankreich mussten sein. Die paar tausend Kilometer fährt man nicht einfach so! Schließlich haben wir ja auch einige Wochen Zeit!! In St. Paul sollte einige Wochen später auch die Tour de France vorbei kommen.

Dass wir dann auch eine Woche Tour de

France Wahnsinn mitnehmen, haben wir zu dem Zeitpunkt noch nicht damit gerechnet.

 

Für uns ging es immer am Mittelmeer entlang, jeder Halt hatte etwas besonderes für sich und einige Kilometer mit dem Rad konnte ich bis dato auch fahren. So sind zum Beispiel die Fahrten bei Altea mit 175km und 3.228HM zu erwähnen oder aber auch die Fahrt auf den Puerto del Lèon

(900m) von Málaga aus.

 

Weiter ging es entlang bis nach Gibraltar, hier haben wir den Grenzübergang zu Fuß und auch mit dem Rad genommen. Wobei wir auch noch den upper Rock hoch wollten, ein absolutes Erlebnis, freilebende Affen (von denen haben wir im Vorfeld viel gehört). Und eine sagenhafte Aussicht bis nach Afrika. Und ja, die Engländer sind eine andere Welt!

 

Weiter ging es nach Tarifa (hier liegt der südlichste Punkt auf europäischem Festland), dort machte ich eine Tour in die Berge von Tarifa mit Blick auf Afrika und es gab jede Menge freilebende Tiere 49km mit 810HM und eine Tour durch die südlichste Region Spaniens 130km mit 1.456HM.

 

Vorneweg der Ausflug nach Portugal ging nur wenige Tage, bis wir aufgrund von Delta das Land verlassen mussten. Die Algarve ist ein wunderschönes Fleckchen Erde! Dort machten wir einige Wanderungen an der Steilküste aber auch an den Strand von Benagil fuhren wir mit den Rädern von Armação de Pêra aus (ob wir hier auf dem richtigen Weg unterwegs sind, waren wir uns ab und zu unsicher, eine sehr abenteurlustige Routenplanung :-) ). Dort wollten wir uns den Hype in und um die Höhlen von Benagil natürlich nicht entgehen lassen. Ein voller Strand, aber das Schwimmen in die Höhlen war aufgrund von roter Beflackung/Ampeln untersagt. Also erkundeten wir die Höhlen mit einem ausgeliehenen SUP.

So ein Weg über das freie Meer kann sich ziehen aber noch aufregender war die Fahrt wieder zurück an den Strand. In der Zeit ist immer einer bei Clea geblieben.

Ein absolutes Highlight war die Fahrt auf den Torre (1.993m), der höchste Berg des portugiesischen Festland 111km mit 2.707HM oder auch in das Bergdorf Piódão 85km mit 2.218HM. Wir waren auf einem kleinen, schnuckeligen Campingplatz mit Pool! Hier hätten wir es auch noch einige Tage länger ausgehalten!

 

Entschuldigt bitte mein Ausschweifen, wir waren zu dem Zeitpunkt schon über 4 Wochen unterwegs!

Rad am Ring wollten wir Ende Juli beim 24hRennen im 2er Team an den Start gehen, das wurde in der Zwischenzeit abgesagt.

 

Eine Übernachtung in Tui, wir waren zurück in Spanien. Hier waren wir auf den Spuren des Jakobsweg, dort ließen wir es uns aber nicht nehmen nochmal zu Fuß nach Portugal zu laufen getrennt durch eine Brücke, die Ponte International Tui-Valença bevor es dann nach Santiago de Compostela ging. Die Pilgerstadt erkundeten wir zu Fuß!

 

In Santander legten wir nur einen kurzen Zwischenstopp ein, bevor es für mich mit dem Rennrad (113km mit 1.746km) weiter nach Bilbao ging und meine zwei fuhren das Wohnmobil.  Auch in Bilbao waren wir nochmal auf den Spuren des Jakobsweg.

Da es sich doch zeitlich ergeben hat, hatten wir beschlossen ein paar Tage Tour de France Trubel mitzunehmen. Hier erfüllte sich ein kleiner Traum von mir!

Gestern noch am Gave de Pau in Pau gesessen, dabei gemütlich Kaffee getrunken und die Routenplanung für die am nächsten Tag eigene Tour de France Etappe gemacht (sämtliche Kanäle wurden dafür benutzt, dass ich am Ende auf der originalen Strecke der 18.Etappe unterwegs bin).

 Pau - Luz Ardiden 129km mit 3.500HM, dabei ein Herzstück der Pyrenäen - der Col du Tourmalet (2.115m). Ein Traum geht in Erfüllung, den hatte ich schon lang auf meiner Rechnung!

Heute die Strecke gefahren, die die Profis eine Woche später unter die Räder nehmen. Mal gespannt wie viele Stunden früher der 18.Etappen Sieger im Ziel ist (am Ende waren es 3Std Unterschied zu meiner Zeit ;-)) Am Anfang führte die Strecke immer mal am Gave de Pau lang - türkis farbenes Wasser! Auch Carina und Clea hatten mit dem Begleitfahrzeug, unserem Wohnmobil, immer etwas zu sehen!

Laut offizieller Tour Beschreibung ging es die ersten 60km flach, und schon in den kleinsten Ortschaften der Zauber der Tour zu spüren. Die Strecke führte über Sainte Marie de Campan rauf zum Col du Tourmalet (2.115m). Die ganze Zeit waren meine beiden Frauen immer mit dem Wohnmobil dabei. In Luz Ardiden, 5km vor Bergankunft war dann für mein Begleitfahrzeug Schluss, hier wurde bereits jetzt schon die Straße abgesperrt für Wohnmobile (obwohl die Tour erst über eine Woche später dort erwartet wurde, standen schon viele Wohnmobile dort!) Nach 129km mit 3.500HM und 6Std 33Minuten Fahrzeit bin ich dann angekommen :-). Die 5km bergab zu meinen Frauen waren dann nur noch ein munteres Rollen.

 

Danach hieß es einkaufen gehen und wir wollten an den Coll de Portet d'Aspet (1.060m). Hier wurde die Tour für Dienstags erwartet. Hier hatten wir dann im ganzen Tour de France Trubel das erste Mal Kontakt zur Polizei, freundlich aber bestimmend, wir dürfen an der Stelle nicht stehen, die wir uns ausgesucht hatten. Oben auf der Passhöhe hat uns dann ein Bauer bei sich parken lassen, wir standen sogar erste Reihe, es würden nur noch Zelte erwartet werden von ihm. Das hielt sich dann aber mit einem Zelt in Grenzen. So verbrachten wir ein tolles Wochenende mit einem Engländer, Franzosen und Holländer und ich fuhr noch eine Runde durch das Vorland der Pyrenäen auf Teilstücken der 16.Tour Etappe (Col de Menté - Col des Ares - Col de Buret - Col de Portet d'Aspet 123km mit 2.449HM).

Am Dienstag nachdem die Tour vorbei kam ging es dann direkt weiter Richtung Col de Peyresourde (1.563m). Was da los war, total verrückt!

Den Tipp hatten wir von einem Radkollegen, wir hatten uns ein schönes Plätzchen rausgesucht oben an der Passhöhe angekommen drehten wir (wenn wir schon mal dort sind, fahren wir auch bis nach oben), dort die nächste polizeiliche Überraschung, hier ist nur Einbahnstraße, wir durften hier die nächste Stunde nicht wieder runter. Wir entschieden uns noch den nächsten Pass anzufahren, aber der war schon wegen Überfüllung im Ort unten polizeilich abgesperrt. Also ging es wieder zurück zum Col de Peyresourde. Clea war unser Joker, wir durften dann an unser Plätzchen fahren, wir haben den Polizisten bestimmt 5x gefragt, ob wir dort während der Tour Etappe stehen dürfen. Frühs wurden wir dann doch von der Polizei geweckt, wir müssen eine Kehre weiter runter. Die Etappe haben wir uns dann natürlich noch angeschaut aber Tour Trubel hatten wir dann genug.

Weiter ging es dann für uns nach Bagnères-de-Luchon auf einen Stellplatz, von dort aus fuhr ich nochmal eine letzte Tour in den Pyrenäen (89km mit 2.685HM über den Col de Peyresourde 1.563m, Port de Bales 1.755m und Col de Portillon 1.293m).

So ganz hatten wir das noch nicht begreifen können, unsere 8Wochen Reisen sind so gut wie vorbei.

Eine letzte Nacht verbrachten wir in den Vogesen in mitten von Weinreben auf einem Weingut. Hier fuhr ich dann meine aller letzte Tour 89km mit 1.769HM für diese Reise, diese führte mich über den Le Grand Ballon

(1.325m) während meine 2 durch die Weinreben spazierten.

 

Am Ende waren es 2.260 Radkilometer mit  35.877HM. Und wir bereuen keine Minute dieser Reise!